Kapłańska 19:1 Komentarz: Rav Hirsch

וַיְדַבֵּ֥ר יְהוָ֖ה אֶל־מֹשֶׁ֥ה לֵּאמֹֽר

I rzekł Wiekuisty do Mojżesza, tak: 

Rav Hirsch

Kap. 19. V. 1. קדושים :אחרי מות ,מצורע ,תוריע ,שמיני ,צו ויקרא! Zur Verwirklichung des aus dem unter Cherubimfittich ruhenden Gottesworte zu erzielenden sittlichen Lebensideales, wie es im משכן und in den קרבנות der Abschnitte ויקרא und צו symbolische Vergegenwärtigung gefunden, müssen erst unter dem ,-טמאה וטהרה ,-מאכלות אטורות und עריות-Regime der Abschnitte שמיני bis אחרי מות Menschen gezeugt und gezeitigt, geboren und genährt und erzogen sein, ehe zu ihnen gesprochen werden kann: קדושים תהיו כי קדוש אני ד׳ אלהיכם, seid heilig, denn Ich, euer Gott, bin heilig! In unmittelbarem Anschluss an das vorangegangene עריות-Kapitel folgt hier in kurzen Grundsätzen der Abriss eines heiligen jüdischen Lebens. Es sind die Grundzüge der משפטים eines unter dem Gottesrecht erblühenden sozialen Lebens, auf welche gleich im einleitenden Worte der עריות-Gesetzgebung im Zusammenhange mit den חוקות hingewiesen ward und immer wieder und wieder hingewiesen wird – (Kap. 18, 4. 5. 26; 19. 37 und 20, 22) – augenfällig um zu sagen, daß nur in einem Volke, dessen Dasein in dem Boden dieser חוקות wurzelt, das Recht, die Selbstlosigkeit, die Bruderliebe, wie sie Gott fordert und wie sie allein des Menschen Heil begründen, Verwirklichung erwarten dürfen. Spricht ja dieses משפטים-Kapitel nicht nur durch den Schlusssatz ושמרתם וגו׳ (V. 37), verglichen mit V. 26 des vorigen und V. 22 des folgenden Kapitels, die Zusammenhörigkeit dieser Kapitel aus, sondern dieses Kapitel erscheint geradezu als Einschaltung innerhalb der עריות-Gesetzgebung. Offenbar nämlich ist das 20. Kapitel die unmittelbare Fortsetzung des 18. Erwägen wir dazu, daß der größere Teil der in diesem 19. Kapitel enthaltenen Gesetze bereits anderweit ausgesprochen ist, so dürften wir wohl in der Auffassung nicht irren, es solle hier, wie im vorigen Kapitel der negative Gegensatz zu den חקות התועבות einer kanaanitischen Welt, so hier der positive Gegensatz eines sozialen Lebens gezeichnet werden, wie es nur auf dem Gottesboden eines sittenreinen geschlechtlichen Lebens sich erbauen lässt. Darum beginnt dies Kapitel auch mit כבוד אב ואם, dem Grundstein aller sozial menschlichen Gesittung, und setzt אם, die Mutter, voran. Denn nur, wo der Mann das rechte Weib in gottgebilligter Ehe sich zugesellt, nur da finden die Kinder die rechte "Mutter" – die allererste "Bedingung" alles geistig sittlichen Menschtums – und nur da erzeugt sich das jüdische Verhältnis von Kindern zu Eltern, die Seele jenes Familienlebens, in welchem die Kinder zu Gott erblühen und alle Keime sozialer Tugenden von der Wiege an die wirkungsreiche Wartung und Pflege finden. Darum sind auch diejenigen Aussprüche sozialer Anforderungen, die in diesem משפטים-Kapitel charakteristisch neu enthalten sind, wie wir sehen werden, vorzugsweise Charaktertugenden, die die Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Brüderlichkeit, Versöhnlichkeit, die die Nächstenliebe als schützende und heilschaffende Genien des sozialen Lebens einführen, deren Pflege keine Institution staatlicher Gewalt erzielen, deren Verletzung kein menschlicher Richter erreichen kann, deren Herrschaft rein nur durch den Charakter ihrer Glieder bedingt ist. Wenn es aber etwas gibt, worin Beachtung oder Nichtbeachtung der עריות-Gesetze ihre heilvolle oder unheilvolle Bedeutung bewähren, so ist es die Charakteranlage der unter dem Einfluss der einen oder der anderen ihre Zukunft antretenden Menschenkeime.
Zapytaj rabinaBookmarkShareCopy