הִ֭נָּצֵל כִּצְבִ֣י מִיָּ֑ד וּ֝כְצִפּ֗וֹר מִיַּ֥ד יָקֽוּשׁ׃ (פ)
Ocal się niby sarna z mocy myśliwca i niby ptak z mocy ptasznika.
Rav Hirsch
צפור, der reine Vogel ( — der "Gefiederte", siehe oben Kapitel 7, V. 14, bei welchem das Gefieder überwiegend ist, im Gegensatz zum Raubvogel, dem auch die Klaue zum Werkzeug und zur tötenden Waffe gegeben ist —) ist das macht- und wider- standlose lebendige Wesen, das sich gleichwohl durch seine Schwungkraft am meisten dem Gewaltbereiche des Menschen entzieht. Daher ein Bild des scheuen, flüchtigen, freien Daseins, dem durch List nachgestellt wird, das ihr aber auch durch seine Schwingen entgeht. כצפור לנוך ,כצפור נודדת (Prov. 26, 2 u. 27, 8) כצפור מיד יקוש (daselbst 6, 5) מי יתן לי אבר כיונה (Ps. 55, 7). Daher ein Bild für das macht- und wehrlose und doch freie und glückliche, geborgene Dasein Israels: כנפי יונה נחפה בכסף (Ps. 68, 14) יונתי בחגוי הסלע. Im Opfer tritt der reine Vogel als die allen Besitzes (Cant. 2, 14), aller Macht und Stellung entkleidete, nur des nackten Daseins sich erfreuende Persönlichkeit im קרבן עולה ויורד usw. andererseits als Ausdruck des den Banden der Krankheit und Schwäche entronnenen, wiedergewonnenen, freigewordenen frischen Lebens in קיני זב וזבה ויולדת וציפורי מצורע auf. Unter den Vögeln ist nun תור, die Turteltaube, der durch seine Wiederkehr den Frühling verkündende Zugvogel (Cant. 2, 12), somit das, durch seine Schwingen getragene, freie Dasein noch prägnanter bezeichnend, daher im Opfer, im Gegensatz zu בני יונה, von ihm nur die älteren, völlig reifen Vögel vorkommen. — גוזל ist der ganz junge, noch der Elternhut und Pflege bedürftige Vogel: על גוזליו ירחף (Dewarim 32,11). — צפור bezeichnet somit das macht- und wehrlose, durch seinen Aufschwung sich rettende und erhaltende Dasein, und zwar תור וגוזל das ältere Geschlecht mit seinem Aufschwung zugleich das jüngere rettend und bergend. (Vergl. Grundzüge einer jüdischen Symbolik. Jeschurun 17, 24f.)
Rav Hirsch
In תנ׳׳ך erscheint der Vogel vorzugsweise als Bild eines flüchtigen, von Gefahr bedrohten, von Not ergriffenen, wehrlosen Daseins. כצפור לנוד ,כצפור נודדת מן קנה כעוף נודד ist Jesaias 16, 2 und Prov. 27, 8. u. 26, 2 das Bild der unsteten Flüchtigkeit. כצפור מיד יקוש ,וכצפרים האחוזות בפח ,צוד צדוני כצפור ist Klagel. 3, 52; Pred. 9, 12 und Prov. 6, 5 Ausdruck für ein unablässig bedrohtes oder bereits von Not ergriffenes Dasein. Für alles Geflügel, כל בעל כנף sind (Prov. 1, 17 u. 18) Netze ausgespannt und lauern auf ihr דם und כצפור בודד על גג .נפש, vereinsamt wie der Vogel auf dem Dache ist Ps. 102, 8 der Unglückliche, und ist אהגה כיונה Jes. 38, 14; Jirmija 48, 27, Nachum 2, 8 und Jes. 59, 11 usw. speziell die Taube ein Bild klagenden, wimmernden Leidens. Wir glauben darum nicht fehl zu gehen, wenn wir auch im Opfer den Vogel als Ausdruck eines prekären, leidenden, unglücklichen Zustandes, oder besser einer in prekären, leidenden, unglücklichen Zuständen sich befindenden Persönlichkeit begreifen. Daß in קרבן עולה ויורד das Vogelopfer das Opfer der Armen ist und sonst direkt vorgeschriebene Vogelopfer sich nur bei leidenden Körperzuständen, זב וזבה ויולרת finden, kann dieser Auffassung nur zur Stütze dienen. Es begriffe sich ebenso, warum Vögel nicht zu שלמים dienen. Ist doch der שלמים-Begriff, der Begriff des ungekürzten, ungetrübten, glücklichen Zustandes, eben das Gegenteil desjenigen, der im Vogelopfer zum Ausdruck kommt. Auch zum קרבן צבור sind sie untauglich. Die nationale Gesamtheit als solche, insbesondere die Nation, wie sie im jüdischen Gesetzesheiligtum zum Ausdruck kommt, kennt, nach dem Ausdruck der Weisen, keinen Tod und keine Armut, אין צבור מת ואין צבור עני, die Nation im Galut hat eben kein מקדש mehr. Übereinstimmend mit dem Leidenscharakter des Vogelopfers fällt dabei auch das Erfordernis der Männlichkeit des Geschlechtes und der völligen Unverletztheit des Körpers, זכרות ותמות, weg, und erklärt sich auch der Wegfall der סמיכה, die überhaupt zunächst nur bei Opfern stattfindet, die vorzugsweise dem Begriff der Tatenweihe angehören und daher schon bei בכור מעשר ופסח fehlt, um so weniger daher bei Opfern ihre Stelle findet, die vielmehr den Menschen im Zustande leidender Schwäche vergegenwärtigen.