Kommentar zu Bereschit 43:6
וַיֹּ֙אמֶר֙ יִשְׂרָאֵ֔ל לָמָ֥ה הֲרֵעֹתֶ֖ם לִ֑י לְהַגִּ֣יד לָאִ֔ישׁ הַע֥וֹד לָכֶ֖ם אָֽח׃
Da sprach Israel: Warum habt ihr mir das zu Leide getan und dem Manne gesagt, dass ihr noch einen Bruder habt?!
Rav Hirsch on Torah
ויאמר ישראל. Bis dahin, seit Josefs Verlust, immer יעקב Denn יעקב bezeichnet den gedrückten Gemütszustand, in welchem der Mensch sich abhängig, sinkend, und den Verhältnissen "nachhinkend" fühlt, ihnen nicht vorangehen kann, sondern sich von ihnen ins Schlepptau nehmen lässt. Der wahre Jude fühlt sich aber nur so lange gedrückt, als er nicht weiß, was er tun soll. Nur zwei Dinge drücken den rechtschaffenen Juden: 1) Schuld, 2) Zweifel über das, was er zu tun habe, nicht über das, was kommen könne. So lange Jakob im Zweifel war und glaubte, Benjamin nicht schicken zu dürfen, so lange erscheint er als יעקב. Von dem Augenblick aber, wo er die zwingende Notwendigkeit klar vor Augen hatte — Benjamins Leben war ebenso in Gefahr, wenn er dableiben, als wenn er mitgehen sollte — richtet er sich auf und ist ישראל. Sobald der Jude weiß, dass er mit menschlichen Kräften nicht mehr helfen kann, also- bald heißt es ihm: גול על ד׳ וגו׳, was dir zu schwer ist, "wälze" Gott zu. Eben das Schwere, aber Unabweisliche, übt er mit frischem gehobenen Mute; denn eben da, wo der Mensch nicht ausreicht, beginnt ihm die "Herrschaft Gottes" die ihm sein Name verbürgt. Er hat darum auch ferner keine Klage mehr, sondern nur noch den "ישראל" Vorwurf, dass sie unnötiger Weise ihres jüngeren Bruders gegen den ägyptischen Gewalthaber erwähnt.
Ask RabbiBookmarkShareCopy