Comentário sobre Gênesis 9:27
יַ֤פְתְּ אֱלֹהִים֙ לְיֶ֔פֶת וְיִשְׁכֹּ֖ן בְּאָֽהֳלֵי־שֵׁ֑ם וִיהִ֥י כְנַ֖עַן עֶ֥בֶד לָֽמוֹ׃
Alargue Deus a Jafé, e habite Jafé nas tendas de Sem; e seja-lhe Canaã por servo.
Rashi on Genesis
יפת אלהים ליפת MAY GOD ENLARGE JAPHETH — The Targum renders the verb by יפתי meaning, “may He extend”.
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Sforno on Genesis
באהלי שם, (the plural mode) is a reference to Torah academies in addition to the Temple.
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Radak on Genesis
יפת אלוקים, this expression is appropriately translated as “may He expand,” the root of the word יפת being פתח, an opening. It is in the transitive mode, as for instance Isaiah 41,2 ומלכים ירד, from the root רדה “to rule.” Noach prays that Yaphet’s share of the earth will be enlarged. Even though Noach promises quantity to Yaphet, he reserves quality for Shem, saying that G’d will make His home in the portion of the earth allocated to Shem’s descendants. (see Exodus 29,45) Moses also specifically prays for a renewal of this blessing after the sin of the golden calf in Exodus 33,16) when he pleads for the Jewish people to enjoy this distinction.
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The Midrash of Philo
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Rabbeinu Bahya
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Siftei Chakhamim
Even after... will be exiled. [Rashi knows this] because if it referred to the time when they ruled, it is already written, “Blessed is Adonoy, Elokei Sheim; may Canaan be his slave.” Why does it say a second time, “Canaan will be their slave”? Perforce, it means even in exile. You might ask: [Perhaps it means Canaan will be a slave] for Yefes? [The answer is:] If so, it should say, “Elohim will enlarge Yefes, and Canaan will be their slave.” And only then it should say, “But He will dwell in the tents of Sheim.” Perforce, it means even in exile.
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Rav Hirsch on Torah
יַפְתְ וגו׳, gewöhnlich: Gott wird Japhet ausbreiten, in der Bedeutung des chaldäischen פתה. Allein wir glauben als Prinzip einer jeden Erklärung festhalten zu müssen, man dürfe zur Erklärung eines Wortes aus einer anderen, wenn gleich verwandten Sprache nur dann seine Zuflucht nehmen, wenn das eigene Sprachbereich des Textes keinen Aufschluß gewährt. Die Wurzel פתה ist jedoch im Hebräischen eine durchaus bekannte und von durchaus unzweifelhafter Bedeutung. פתה bezeichnet das Offenstehen des Gemütes für alle äußeren Eindrücke und Einflüsse; daher פתי: der leicht zu Be- redende und zu Täuschende. Auch פתאום: was unser Gemüt ganz offen, d. i. ganz unvorbereitet, unverwahrt und unverschlossen trifft. Ebenso פתע. Verwandt ist פתה mit פדע ,פדה ,פתח, die öffnen bedeuten. יַפְתְ ist Hiphil und heißt daher: Gemüter öffnen. Gott wird dem Japhet die Gemüter öffnen, ihm Einfluß auf die Gemüter gewähren.
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Chizkuni
יפת, “May He expand;” Noach did not use the name of the Lord additionally when blessing Yephet as he had done in connection with Shem’s blessing, as the latter was a righteous person.
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Rashi on Genesis
וישכון באהלי שם AND MAY HE DWELL IN THE TENTS OF SHEM — may He make His Divine Presence (Shechinah) dwell in Israel. According to the Midrashic exposition of the Sages (Yoma 10a) it means: Although God enlarged Japheth inasmuch that Cyrus, who was a descendant of Japheth, built the second Temple, yet the Shechinah did not dwell in it. Where, then, did it dwell? In the first Temple which Solomon, a descendant of Shem, built.
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Sforno on Genesis
עבד למו, both to Yaphet and to Shem, even at times when the Temple will not stand.
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Radak on Genesis
ויהי כנען עבד למו, also to the descendants of Yaphet.
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Rav Hirsch on Torah
Wir haben also die Repräsentanten der drei Hauptrichtungen vor uns, die das Wesen der Menschen und der Völker in der Erscheinung charakterisieren. שֵם, der Inhaber des Namens und des Begriffes der Dinge und der Verhältnisse, repräsentiert den Geist; demgegenüber: המם ,חמם) חם), die höchste Potenz glühender Sinnlichkeit. Während in שם das Geistige hervortritt, das den Dingen möglichst objektiv entgegentritt, wozu die Ruhe gehört, die nichts von המם, geschweige von חמם wissen darf, ist in חם das Geistige auf ein Minimum reduziert. יפת repräsentiert das, was in der Mitte liegt, jenen Mittelpunkt, in welchem sich Geist und Sinnlichkeit begegnen; es ist dies das Gemüt, die Empfindung. Aus diesen drei Potenzen besteht der innere Mensch: Geist, Sinnlichkeit, Gemüt, und diese Potenzen treten auch charakterisierend bei Völkern hervor. Nicht als ob es einseitige Völker gäbe, die entweder nur Geist, nur Gemüt usw. hätten. Sondern wie bei allen Individuen alle drei Seiten vorhanden sind, jedoch bei jedem eine derselben vorherrschend, tonangebend ist, und diese vorherrschende Seite des Wesens den Mann kennzeichnet: also auch bei Völkern. Uns, die wir nicht wie Noa an dem allerersten Anfang der Geschichte stehen, sondern bereits auf eine viertausendjährige Geschichte zurückblicken können, dürfte es leicht werden, rückschauend die Wirksamkeit dieser verschiedenen Völkerpotenzen in den Gestalten der Geschichte zu erblicken.
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Rashi on Genesis
ויהי כנען עבד למו AND MAY CANAAN BE SERVANT TO THEM — Even when the children of Shem be in exile, children of Canaan will be sold to them as slaves.
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Rabbeinu Bahya
ויהי כנען עבד למו, “and Canaan be a slave to them.” The word למו refers back to “his brothers.” He is to be a slave to the descendants of Shem and Yaphet. The reason the Torah repeats this for a second time is to stress that the state of slavery decreed for Canaan and his descendants is not something temporary. It is also a hint that in due course Shem will inherit the lands of Canaan and all his property. This is simply an application of the principle that anything which is owned by a slave becomes the property of his master (Pesachim 88).
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Rav Hirsch on Torah
Das meiste Lärmen in der Weltgeschichte macht חם, jene Sinnlichkeit, die das dem Geiste und dem Gemüte Angehörige in dem Fonds der Völker an ihren Ruhmeswagen spannt und das Geistige nur als Vehikel des Sinnlichen gelten lässt. Nationen, die erobern, zerstören und genießen. Es ziehen Völker über die Bühne, die fast nichts als rohe Gewalt, Sinnlichkeit, Tierheit vergegenwärtigen.
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Rav Hirsch on Torah
Es erscheinen aber auch Nationen, die im Dienste des Schönen ihre Kräfte üben, die in der Pflege der Kunst, des ästhetisch Schönen sich charakterisieren. In ihnen lebte das Bewusstsein von einem höheren Ideale, zu dem sich der Mensch aus seiner Roheit emporarbeiten solle. Diese Richtung lehrte den Menschen das rohe Sinnliche in das Gewand der Anmut hüllen, an der Hand des Anmutigen und Schönen auch die Tätigkeit des Geistes pflegen: Poesie, Musik, bildende Künste. Alle diese Völker, die dasjenige gepflegt, was das Gemüt anspricht, verwirklichen den ?^׳-Charakter
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Rav Hirsch on Torah
Allein die Bildung des rohen Menschen an der Hand des Schönheitssinnes ist nicht das Höchste. Schwankend ist die Kultur, die dem Menschen nur das höhere Selbstwohlgefallen als Maßstab seiner Lebenstätigkeit bietet, ihm aber kein außer ihm liegendes, in eigenem Lichte glänzendes Ideal als Ziel und Maßstab gibt. Erst was seinen Geist zur Erkenntnis und sein Gemüt zur Anerkenntnis des Wahren und Guten an sich zu erheben vermag, führt ihn auf den Weg zur Höhe seiner Bestimmung. Völker, die im Symposion der Menschheit ihren Beitrag durch Pflege des Geistes zur Erkenntnis der Wahrheit geliefert, haben im שם-Charakter für das Heil der Menschheit gewirkt.
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Rav Hirsch on Torah
Sehen wir uns in der geschichtlichen Wirklichkeit um, so dürfen wir uns sagen: die höchste Blüte des japhetischen Stammes war יון die Griechen; die höchste Blüte der semitischen Menschheit ist עבר, ist das ebräische Volk, Israel, das den ׳שם ה, als seinen Gott durch die Welt der Völker trug und trägt. Bis auf den heutigen Tag sind nur diese beiden Menschenstämme, der japhetische und semitische, das Griechen- tum und Judentum, die eigentlichen Bildner und Lehrmeister der Mensch- heit geworden. Alles, was an geistigen Schätzen die Erde gewonnen, verdankt sie diesen beiden, und alles, was noch heute heilbringend an der Bildung und Erziehung der Menschheit arbeitet, knüpft an das an, was Japhet und Schem der Menschheit gebracht. Die geistige Spende des Römers war auch nur ein Geschenk der Hellenen. Japhet hat die Welt ästhetisch veredelt, Schem sie geistig und sittlich erleuchtet. Griechentum und Judentum sind die gewaltigsten aktiven Mächte in dem Bildungswerke der Menschheit geworden, denen gegenüber die übrige Welt wie passiver Bildungsstoff sich verhält. — Wir haben diese Sätze in dem Artikel ,"der Hellenismus und das Judentum" im Jeschurun, III. Jahrgang. (S. 109 ff.) ausführlicher zu entwickeln versucht, und verweisen auf ihn. — In diesem Sinne schaut Noa׳s gewecktes Auge ein Dreifaches:
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Rav Hirsch on Torah
Er sieht: ארור כנען! sieht, wie die Roheit und die rücksichtslos glühende Sinnlichkeit nicht die Zukunftsblüte der Menschheit im Keime trägt; sieht diejenigen Völker, die sich der Sinnlichkeit hingeben und in deren Charakter die niedere Natur die vorherrschende bleibt, statt frei, unabhängig und die mächtigsten zu werden, als עבדים, zu Knechten hinabsinken. Ja, er sieht Jahrhunderte, in welchen das Bewusstsein von der freien Würde des Menschen ganz zu Grunde gegangen: Kenaan ist עבד עבדים, allein auch die Andern sind עכדים. Nur selber geknechtete Völker haben andere geknechtet. Wer als Welteroberer, Völkerbezwinger auszieht, muß erst die eigenen Völker zu blinden Werkzeugen seiner Herrschergelüste knechtend herabgewürdigt haben. Aus Cham׳s Geschlecht gehen Tyrannen, gewaltige Willkürherrscher und "Menschenjäger" hervor. Nicht die Freiheit, die Knechtschaft wird von Leidenschaft geboren. Freiheit, חֵרות, wohnt nur im Gesetze, blüht nur da, wo unantastbar hoch über alle ein Sittengesetz gebietet. Frei bleibt, wer dem Sittengesetz gehorchen lernt. Sinnliche Völker sind die Brutstätte der Knechtschaft, חם zeugt עברים, und wo die Sinnlichkeit wie in כנען gipfelt, da sinken sie zu .banih םירבע רבע
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The Midrash of Philo
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Rav Hirsch on Torah
Sein Blick aber hebt sich, und er sieht, dem gegenüber: ברוך ד׳ אלקי שם, sieht die Rettung und Erlösung der Menschheit aus einem anderen Stamme hervorgehen. Auch Cham hat Götter; allein es sind Götter der rohen Gewalt, Mächte, die ihre "Göttlichkeit" nur in niederschmetternder Vergewaltigung äußern, Götter, vor denen der Mensch nur zittern kann und denen die Menschengewalten Altäre bauen, damit die Völker in ihnen selbst den Abglanz dieser Götter verehren, und vor ihnen wie vor ihren Göttern als Sklaven in den Staub sinken. Da tritt Schem בשם השם, mit dem Namen ׳ה in den Kreis der Menschen, eines Gottes, vor dem die den Menschen knechtenden Götter verschwinden, eines Gottes, der die Menschen frei macht, der sie über die Göttergewalten der Natur alle in gleicher Würdigkeit zu sich erhebt, der jedem Menschen mit dem in ihm lebenden Gotteshauche das Bewusstsein von der eigenen unverlierbaren Menschenwürde gibt, der jedem Menschen in seiner Barmherzigkeit und erziehenden Liebe nahe ist, jeden in seinen Dienst beruft, in seinem Dienste frei macht, in seinem Dienste adelt und in seinem Dienste beseligt, — und die Lehre dieses Gottes sieht er ברוך, sieht er gesegnet, sieht sie, die nicht mit dem Schwerte und der Macht, und nicht mit den verlockenden Reizen der Sinnlichkeit gerüstet in die Reihen der Völker eintritt, sie sieht er immer mehr Boden, immer mehr Blüte, immer mehr Macht, und endlich die siegende Herrschaft gewinnen, und er wünscht, — (es heißt nicht והיה, auch nicht יהיה, sondern וִיְהִי der gewöhnliche Ausdruck des Wunsches) — dass Kenaan Schem׳s עבר werde, sieht eine Rettung Cham׳s darin, dass das ihm entgegengesetzte Prinzip zur Herrschaft gelange und wünscht, da doch immer Kenaan עבר sein wird, dass er Schem׳s עבר werden möge, und so selbst כנען, die höchste Stufe der entartetsten Sinnlichkeit, zuletzt durch Schem sich Gott zu Füßen lege und in dieser Unterordnung für das göttliche Menschendasein gewonnen werde. —
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Rav Hirsch on Torah
Dies Ziel sieht er aber nicht sofort erreicht. Zwischen Cham und Schem steht Japhet. Ein Cham ist nicht sogleich empfänglich für die Lehre des Gottes Schem׳s. Erst muß aus dem rohen Menschen ein gebildeter Mensch werden. Die Forderung des Gottes Schem׳s ist keine geringe, sie fordert die volle Hingebung und Unterordnung des ganzen Menschen unter Gott. Erst muß der Mensch "Geschmack" bekommen an etwas Höherem als er in seiner rohen Natur ist, und wäre dieses Höhere vor der Hand auch nur etwas Sinnliches. Der Wilde, der sich bemalt, seine äußere Erscheinung also umgestaltet, betritt damit den ersten Anfang der Selbstbearbeitung, die Schwelle der Kultur, die sich mit der Unterordnung des Menschen, in seiner äußeren Erscheinung, seiner Umgebung, seinem Benehmen unter das Gesetz des Schönen und Wohlanständigen vollendet. Diese Kultur der Anmut, dieses Beugen des rohen Menschen unter das Maß des "Schön-Guten" des καλοκαγαθόν der japhetischen Bildung ist ein Vorbote der semitischen Sendung, ist eine Vorschule für die einstige Gewinnung des Menschen zur Unterordnung seines ganzen Wesens unter das noch höhere Maß der noch höheren Schönheit einer harmonischen Gestaltung des ganzen mannigfaltigen Lebens unter den einen Gedanken der Hingebung an den Willen des einen einzigen Gottes. Er sieht daher יפת אלקים ליפת, wie Gott dem "Schönen" des Japhet die Gemüter der Menschen öffnet und Japhets Geist zuerst seine Sendung in der Bildung der Völker vollbringt, auf dass dann das der Sendung Schem׳s anvertraute Ziel der Menschheit seine Verwirklichung auf Erden erreiche, וישכון באהלי שם, dass die Menschen von Schem die Weisheit lernen, "ihre Hütten auf Erden also zu bauen, dass Gott bei ihnen wohne" das ganze Menschenleben auf Erden also zu gestalten, dass Gottes Herrlichkeit wieder auf Erden zu den Menschen einkehre, ויהי כנען עבר למו, und dann selbst Kenaan durch Hingebung an Schem seine Rettung für das Göttlich-Menschliche finde. —
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Rav Hirsch on Torah
Wir gestatten uns noch eine Bemerkung über zwei Ausdrücke, denen wir hier in dem Munde des ältesten Vaters der neuen Menschheit begegnen, und in denen das ganze .ישכן und ,ברוך ה׳ jüdische Bewusstsein zusammengefasst ist. Wir meinen die Ausdrücke
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Rav Hirsch on Torah
ברוך. Man hat das Verständnis getrübt, indem man Anstand nahm, dieses Wort in der Beziehung des Menschen zu Gott ganz in demselben Sinne: segnen zu nehmen, wie es dies in Beziehung Gottes zum Menschen bedeutet. Man hat geglaubt, es sei dann adjektivisch wie חנון ,רחום, so, dass es dann gleichfalls den aktiven Quell, den Inhaber des Segens wie dort den der Gnade und des Erbarmens bezeichne. Allein man hat wenig damit gewonnen; unzählige Mal werden wir aufgefordert ׳לברך את ד, und spricht das Gemüt des Begeisterten, dass er ׳מברך את ד. Ist der Mensch aktiv ׳מברך את ד, so ist Gott ברוך im passiven Sinne, dem entgeht man nicht. Und warum sollte man auch dem entgehen müssen! In dem Moment, in welchem Gott die Er- füllung seines Willens auf Erden von dem freien Entschlusse des Menschen abhängig machte, sprach er zu ihm: !ברכני, segne mich, fördere meine Zwecke, erfülle meine Wünsche, verwirkliche meinen Willen, segne mein Werk, dessen Vollendung auf Erden ich in deine Hand gelegt! Und wie מלאכיו, wie כל צבאיו משרתיו עושי רצונו, wie כל מעשיו בכל מקומות ממשלתו, wie seine Engel, wie alle seine ihm dienenden, seinen Willen vollstreckenden Weltenheere, wie alle seine Geschöpfe an jeglicher Stätte seines Reiches מברכים את ד׳ — nicht Gott loben — sondern Gott segnen, mitarbeiten an Seinem einen großen Weltenzweck: so spricht jedes jüdische Gemüt zu seiner Seele: ברכי נפשי את ד׳, segne auch du meine Seele, Gott! und wenn der Jude ברוך spricht, so spricht er Gott das Gelöbnis zu, alle seine Kräste der Erfüllung des אתה ד׳ göttlichen Willens zu weihen. So begriffen, ist ברכה der Grundgedanke, den das ganze jüdische Leben verwirklichen soll. Die ganze תורה lehrt uns nichts, als wie wir מברך את ד׳ sein können und sollen. Gott loben und preisen, wozu man den wahren Begriff verwischend ברך את ד׳ gemacht hat, wird nur dann ברכה, wenn es zunächst seine Wirkung an uns vollbringt, wenn es unseren Geist berichtigt, unser Herz veredelt und an beiden das Werk fördert, dessen Vollbringung an uns selber Gott von uns erwartet. ברכה ist in Wortausdruck was עבורה in Tatausdruck ist, ברכה ist Wortausdruck für das, was קרבנות in Handlung ausdrücken, und nicht die in der ש"ע aus- gesprochenen Bitten, sondern die ברכות, mit denen sie schließen, das ברוך, in welchem jeder von uns das Gelöbnis ausspricht, alle seine von Gott verliehenen und zu verleihenden großen und geringen Kräfte und Güter dem Dienste Gottes zu weihen, לחם אשה ד׳, "Nahrung, Erhaltung, Pflege des Göttlichen zu werden", nur dies ברוך macht unsere תפלה במקום קרבן. Höchst bedeutsam ist es aber, dass wir diesem Begriffe schon in diesem Geistesausspruch des ältesten Vaters der neuen Menschheit begegnen. Indem wir ברוך sprechen, setzen wir nur das Werk fort, das hier ursprünglich und endlich von der ganzen Menschheit erwartet wird, sprechen das älteste Wort aus, das uns überhaupt als von des Menschen Beziehungen zu Gott gesprochen bekannt ist.
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Rav Hirsch on Torah
ישכן. Ein das Judentum nicht minder wesentlich charakterisierender Begriff ist der zweite, שכינה dem wir hier schon im Munde des Altvaters der neuen Menschheit begegnen. Andere Religionen lehren, was man zu tun habe, dass man jenseits zu Gott komme. Das Judentum lehrt, was wir zu tun haben, dass Gott schon diesseits zu uns komme. Das Judentum lehrt: עיקר שכינה בתחתונים, Gott will zunächst auf Erden bei dem Menschen wohnen; spricht von Menschen: ועשו לי מקדש ושכנתי בתוכם, mögen sie mir auf Erden ihr Leben zum Heiligtum gestalten, so werde ich in ihrer Mitte wohnen. Die Zeit vorzubereiten, dass nicht erst im Himmel, sondern hier auf Erden wieder Gottes Reich beginne, das ist Israel׳s, der semitischen Blütensprosse, Sendung und das ist seines Gottesgesetzes Ziel. Darum sind alle Verheißungen dieses Gottesgesetzes irdisch. Wechsel aufs Jenseits ausstellen, jenseitige Himmel und Hölle verheißen, vermag auch der erste Impostor. Allein das sich vor den Augen der Menschen erfüllen sollende Diesseits für sein Wort einsetzen, das vermag nur ד׳ אלקים אמת ומלך עולם. Dieser Begriff: שכינה, dass überall, wo der schwächste, unscheinbarste Mensch seinen kleinen, unscheinbaren Kreis auf Erden heiligt, sein "Lager heilig" werde, und dann Gott מתהלך בקרב מחניך, ihn schon hier auf Erden "selig" mache, ihn schon hier und heute מעין עה״ב finden lasse, das ists, was die תורה im Reiche der jüdischen Menschenfamilie verwirklicht sehen will, auf dass es dann wieder Gemeingut der Gesamtmenschheit werde und sie den "Weg wieder zurückfinden zum Baume des Lebens". — Indem aber so der Begriff שכינה die innigste Verbindung des Menschen mit Gott in dem hieniedigen Leben lehrt, liegt in diesem Worte selbst der mächtigste Schutz vor jeder Schwärmerei, von welcher eben daher keine Religion also wie das Judentum frei geblieben. Eigentümlich heißt nämlich שכן zugleich wohnen und Nachbarsein. Es liegt darin der höchste soziale Begriff. Wohnen heißt dem jüdischen Gedanken: Nachbar sein. Indem der jüdische Mensch eine Stätte auf Erden zu seinem Wohnen ergreift, muß er zugleich einem anderen Menschen Raum und Bereich zu gleicher Wohnstätte einräumen. Ohne den Nachbar ist sein eigenes Dortsein kein שכון, kein menschliches Wohnen. Der jüdische Mensch spricht zum andern: צר לי המקום גשה לי ואשבה, "eng ist mir zwar der Ort, aber nur wenn du zu mir trittst, lasse ich mich nieder!" (Jesaias 49, 20). Und nun, unter demselben Begriff שכינה das Niederlassen der göttlichen Herrlichkeit in den menschlichen Kreis gedacht, lehrt die innige Annäherung des Göttlichen an das Menschliche ohne im Geringsten in die Sphäre des Menschlichen hinüberzugreifen, sondern eben mit der Voraussetzung und unter der Voraussetzung der ganz freien, irdisch-menschlichen Entwicklung, und das ists, worin wir die Abwehr aller Schwärmerei erblicken zu dürfen glaubten. Das Göttliche wird שכן des Menschlichen, das Menschliche שכן des Göttlichen, aber Beide gehen nicht in einander auf. Dieselbe jüdische Weisheit, die lehrt עיקר שכינה בתחתונים, dieselbe lehrt: מעולם לא ירדה שכינה למטה מעשרה. Der echte jüdische Geist bildet keine Schwärmer, die maß- und ziellos über die Grenze des Wirklichen hinausgehen, in ihren Anschauungen der Wahrheit entrückt — und verrückt werden. Indem das Judentum uns die innigste Nähe Gottes zu dem Menschen lehrt, will es uns stets in klarster, verständiger, wir möchten sagen, nüchterner Anschauung erhalten. Nicht durch ein schwärmerisches Hinüberströmen ins Göttliche, nicht durch ein sogenanntes Aufgehen in Gott werden wir Gottesdiener, dass wir etwa zuletzt alle freie Selbstbestimmung verlören, und alles, was wir täten, eigentlich Gott in uns und durch uns täte, sondern nur indem wir den Geist und die Freiheit, die uns Gott gegeben, in dem irdischen Kreise, den er uns angewiesen, in vollster Gottestreue, mit klarster menschlicher Umsicht und Einsicht betätigen, erreichen wir selber die höchste menschliche Vollendung, und gewinnt unser irdisches Walten die der Gottesnähe würdig machende Heiligung. Nur wo die zehn טפחים des menschlichen Wirkens enden, beginnt das Walten der beseligenden Gottesnähe.
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